Die Arbeit von EUCREA verfolgt das Ziel, Politik, Verwaltung und Kulturakteure im deutschsprachigen Raum für das Thema Diversität im Kulturbetrieb zu sensibilisieren. Der Verband motiviert potentielle Kooperationspartner in ganz Deutschland, gemeinsam in das Thema einzusteigen.

Dafür wirkt EUCREA aktiv in Gremien und Netzwerken mit, berät Bund, Länder und Kulturakteure zum Thema und veröffentlicht Fachartikel und Publikationen. EUCREA arbeitet an den Überschneidungen von Kunst, Kultur und Behindertenpolitik und nimmt aktuelle Themen im Rahmen seiner Tagungen und Foren in den Fokus.

Auf dieser Internetseite sowie in unserem Newsletter berichten wir über Aktivitäten und Veröffentlichungen zum Thema.

 


 

BUNDESTEILHABEGESETZ (BTHG)

Das 2017 erlassene Bundesteilhabegesetz tritt sukzessive in Kraft. Praktisch gesehen wurde das System der Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM), in denen aktuell der überwiegende Teil von Künstlern mit Behinderung tätig ist, erhalten.

Ab 2018 werden allerdings einige neue, für Künstler mit Beeinträchtigungen möglicherweise interessanteste Aspekte, rechtsgültig: Die flächendeckende Ausweitung des „Budgets für Arbeit“ und die Zulassung „Andere Anbieter“.

 

Andere Anbieter

Eine der wichtigsten Änderungen ist die Zulassung „Anderer Anbieter“ nach §60 SGB IX . Waren bisher nur Werkstätten für Menschen mit Behinderung berechtigt, Arbeitsplätze für berechtigte Leistungsempfänger anzubieten, können jetzt auch andere Träger Anträge an die Bundesarbeitsagentur stellen, um Leistungsanbieter zu werden. „Andere Anbieter“ haben den Vorteil, dass sie nicht, wie eine WfbM, einer Aufnahmeverpflichtung unterliegen. Darüber hinaus wurde die erforderliche Mindestbeschäftigtenanzahl von 120 auf 5 Personen gesenkt. Trotzdem müssen „Andere Anbieter“ alle Leistungen – wie eine WfbM - erbringen, (räumliche Bedingungen, Fachpersonal, Zertifizierung etc.). Der Kostensatz wird mit dem jeweiligen Kostenträger (Integrationsämter) ausgehandelt. Naheliegend ist, dass dieser die Kosten eines WfbM-Arbeitsplatzes kaum übersteigen wird, denn schließlich ist das BTHG auch deswegen entwickelt worden, um mögliche Kostensteigerungen zu vermeiden Als kleinerer Träger mit weniger Plätzen lassen sich daraus die anfallenden Kosten kaum finanzieren. Wahrscheinlicher ist, dass größere Bildungsträger in diesen Leistungsbereich einsteigen und es zu neuen Trägerkombinationen kommt.

Eine Antragstellung als „Anderer Anbieter“ ist ab Ende Dezember 2017 bei der Bundesarbeitsagentur möglich.

http://www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Inklusion/Fragen-und-Antworten/was-sind-andere-leistungsanbieter.html

 

Budget für Arbeit

Auch für die flächendeckende Einführung des „Budget für Arbeit“ fällt 2018 der Startschuss. Das „Budget für Arbeit“ ist für den Personenkreis der bereits in einer WfbM Beschäftigten gedacht, der langfristig auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig werden möchte. Ein Arbeitgeber erhält dafür einen Lohnkostenzuschuss von bis zu 70% vom Leistungsgeber zzgl. möglicher Betreuungskosten. Gewährt wird das Budget zunächst für fünf Jahre, eine Anwendung bei Teilzeitarbeit ist ebenfalls möglich. Die Teilnehmer haben jederzeit das Recht auf eine Rückkehr in die WfbM.

Die ganz große Veränderung im Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung wird durch das BTHG wohl nicht erreicht werden. Hätte man einen wirklichen Kurswechsel gewollt, wäre das „Budget für Arbeit“ dem berechtigten Personenkreis auch ohne vorherigen Aufenthalt in einer WfbM zugesprochen worden. Auch wäre es möglich gewesen, „andere Anbieter“ zuzulassen, ohne die gleichen Leistungs- und Funktionsanforderungen wie bei einer WFBM zu stellen. Aber ein erster Schritt zu mehr Vielfalt in den beruflichen Angeboten ist trotzdem getan. Letztlich wird es von der Bereitschaft der Länder und der Kommunen abhängen, wie weit diese neuen flexibleren Bedingungen in Zukunft wirklich genutzt werden können.

EUCREA wird den weiteren Verlauf in der Bildungs- und Berufspraxis unter Berücksichtigung dieser neuen Möglichkeiten in seinen Veröffentlichungen und Tagungen begleiten.

 


 

NATIONALER AKTIONSPLAN (NAP) 2.0 2016

EUCREA hat an der Gestaltung des Nationalen Aktionsplans 2.0 mitgewirkt, der am 28.06.2016 nach einer fast zweijährigen Arbeitsphase veröffentlicht wurde. Der Nationale Aktionsplan ist das zentrale Papier, das die Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention für Deutschland nach innen hin erfasst und regelt. Während die erste Ausgabe des Aktionsplanes Menschen mit Beeinträchtigungen nur als Rezipienten von Kunst und Kultur erfasst hat, konnte in der Folge erreicht werden, dass diese auch als Kunstschaffende thematisiert werden. So heißt es aktuell:

„Ein wichtiger Bestandteil dieser Entwicklung ist, dass zunehmend Künstlerinnen und Künstler mit Behinderungen in die Öffentlichkeit treten: Kunst- und Kulturprojekte in allen künstlerischen Disziplinen erreichen mittlerweile ein breites Publikum. Die Einladung von inklusiv arbeitenden Theater- und Musikensembles zu renommierten Festivals, das Engagement von Schauspielerinnen und Schauspielern mit Behinderungen an bedeutenden Theatern und die Beteiligung von Künstlerinnen und Künstlern mit Behinderungen an nationalen und internationalen Ausstellungen lassen ein zunehmendes Interesse an künstlerischer Leistung unabhängig von einer Zuschreibung „Behinderung“ erkennen.

Voraussetzung für die künstlerische Leistung von Menschen mit Behinderungen ist die adäquate Ausbildungsmöglichkeit. So müssen das Bewusstsein für die künstlerische Ausbildung von Menschen mit Behinderungen sowie die Ausbildung für eine künstlerische Arbeit mit Menschen mit Behinderungen erst noch in die Breite der ausbildenden Institutionen gebracht werden. Das Bewusstsein für die Beiträge von Menschen mit Behinderungen zum gesellschaftlichen und kulturellen Leben wächst durch ihre Präsenz und die Qualität ihrer Beiträge. Professionelle Künstlerinnen und Künstler mit Behinderungen folgen diesem Selbstverständnis.“

NAP 2.0, Abschnitt 3.9. Kultur, Sport, Freizeit, Seite 150 ff

http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Schwerpunkte/inklusion-nationaler-aktionsplan-2.pdf?__blob=publicationFile&v=4

 


 

VERÖFFENTLICHUNG DURCH DEN DEUTSCHEN KULTURRAT

https://www.kulturrat.de/wp-content/uploads/2017/10/puk06-17.pdf

 


 

BUNDESWEITES NETZWERK KULTUR UND INKLUSION

Seit 2015 fördert die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien das Netzwerk „Kultur und Inklusion“, für das die Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW die Trägerschaft in Kooperation mit dem Verein InTakt e.V. übernommen hat. EUCREA ist aktiver Teil des Netzwerks und wirkt inhaltlich in Round-Table-Gesprächen an der Gestaltung der jährlichen Themen mit. Im Netzwerk sollen Themenfelder diskutiert und weiterentwickelt werden, welche die praktische Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in künstlerischen und kulturellen Feldern aufwirft. Als Dialog- und Fachforum bringt das Netzwerk Erfahrungen und Ansätze aus Theorie und Praxis, Wissenschaft, Forschung und Politik in Austausch.

Auf der Internetseite des Netzwerks findet man außerdem die Dokumentationen von jedem Treffen. Themen des Netzwerkes 2015 - 2017:

2015: Arbeit

  • Werkstatt für Menschen mit Behinderung und künstlerische Tätigkeit auf dem Arbeitsmarkt Kultur
  • Kunst- und Kulturschaffende mit Behinderung als freiberufliche Akteure
  • Öffnung und Wege in die Kulturinstitutionen

2016: Ausbildung

  • Thema: Ausbildung für künstlerische Tätigkeit von und mit Menschen mit Behinderung

2017: Darstellung von Menschen mit Behinderung in Film und Fernsehen

http://kultur-und-inklusion.net/

 


 

KOMPETENZVERBUND KIWit

Die Online-Plattform „Kultur öffnet Welten“ ist Teil des Kompetenzverbundes KIWit, einem Zusammenschluss verschiedener Einrichtungen und Akteure, die sich dem Thema kulturelle Teilhabe widmen. Sie bietet denjenigen Kulturschaffenden und Institutionen eine Plattform, für die kulturelle Teilhabe ein grundlegendes Anliegen ist. Gemeint ist damit bewusste Planung, Umsetzung und Vermittlung kultureller Angebote für Menschen aller Altersgruppen, unabhängig von ihrer sozialen Lage, einer Beeinträchtigung oder ihrer ethnischen Herkunft.

http://www.kultur-oeffnet-welten.de/initiative.html

Eine Übersicht speziell zum Thema Inklusion:

http://www.kultur-oeffnet-welten.de/positionen/themen/thema-detail.html?id=21

 


 

kubi-online

Die Wissensplattform für Kulturelle Bildung Online ist ein Projekt in Trägerschaft der vier bundesweit agierenden Fachorganisationen für Kulturelle Bildung in Deutschland: der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW, der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel, der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung sowie dem Institut für Kulturpolitik der Stiftung Universität Hildesheim. Seit 2014 öffnet die Wissensplattform das „Universum kulturelle Bildung“ auch zum Thema Diversität/Inklusion

https://www.kubi-online.de/inhalt/kulturelle-vielfalt-inklusion

https://www.kubi-online.de/artikel/zwischenraum-kunst-behinderung-inklusion

 


 

Diversity.Arts.Culture Berliner Projektbüro für Diversitätsentwickliung

Erklärtes Ziel ist: Die gesellschaftliche Vielfalt soll sich stärker als bislang im Berliner Kulturbereich abbilden.  Dazu hat die Senatsverwaltung für Kultur und Europa "DIVERSITY. ARTS. CULTURE - Das Berliner Projektbüro für Diversitätsentwicklung" eingerichtet, so wie im Koalitionsvertrag der Berliner Landesregierung festgehalten.

http://www.kulturprojekte.berlin/blog/diversityartsculture-berliner-projektbuero-fuer-diversitaetsentwicklung/

 


 

Servicestelle Inklusion im Kulturbereich/Sachsen

Seit Beginn April 2017 ist beim Landesverband Soziokultur Sachsen e.V. die Servicestelle Inklusion im Kulturbereich angesiedelt. Das vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst geförderte Projekt hat zum Ziel, sächsische Kultureinrichtungen für das Thema Inklusion zu sensibilisieren und zur Umsetzung zu befähigen.

https://soziokultur-sachsen.de/arbeitsbereiche/inklusion

 


 

(in:szene) – Mehr Vielfalt im Kulturbetrieb

Seit Anfang 2016 bietet die Werkstatt 3 (W3) Kulturbetrieben und freien Kunstschaffenden Beratung und Begleitung zum Thema Diversität. Dazu gehören Vielfaltssensible Qualitätsentwicklung, Qualifizierung, Weiterbildungsprogramme für Multiplikatoren und Vernetzung.

http://www.w3-hamburg.de/inszene

 


 

Studie der Kulturpolitischen Gesellschaft 2014: Inklusive Bildung und Kulturarbeit

Das Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft hat 2014 eine Studie herausgegeben, die sich mit der Begriffsdefinition und der politischen Relevanz von Inklusion auseinandersetzt und Methoden, Akteure und Förderpartner vorstellt.
Die von Franz Kröger, Irmgard Merkt und Norbert Sievers entwickelte Studie steht hier zum Download bereit.