Künstlerinnen und Künstler mit Hochschulausbildung

    Wir haben nach kreativen Menschen mit Behinderung gesucht, die an einer künstlerischen Ausbildung im In- und Ausland innerhalb einer Hochschule teilgenommen oder eine komplette Ausbildung an solcher absolviert haben. Hier stellen wir sie Ihnen vor:

    Zu sehen ist Katrin Bittl, eine junge Frau mit Brille und braunen Haaren.

    Katrin bittl

    Katrin Bittl, geboren 1994 in München, studiert seit 2017 „Freie Kunst“ an der Akademie der Bildenden Künste in München. Ein Thema ihrer Arbeit ist die künstlerische Manipulation kunstgeschichtlicher Darstellungen von Idealen. In ihrer Arbeit „Übermalungen“, zuletzt ausgestellt im International Munich Lab 2020, fügt sie den idealisierten Körpern in altmeisterlichen Werken offensichtliche Beeinträchti-gungen hinzu. Ihr eigener Körper dient ihr dabei immer wieder als Reflexionsfläche. Das Verhältnis zwischen dem Allgemeingültigen und dem Andersartigen soll zurecht-gerückt werden, und es soll eine gesellschaftliche Realität aufgezeigt werden, die seit Jahrhunderten unterrepräsentiert blieb. Ihrer Idee einer inklusiveren Welt sowie anderen Werken wie bspw. Selbstporträts, verleiht die Künstlerin via Zeichnungen, Malerei, Animation und Videos visuell Ausdruck.
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    Zu sehen ist Katrin Bittl, eine junge Frau mit Brille und braunen Haaren.

    Rachel Handlin

    Rachel Handlin wurde mit Trisomie 21 geboren und machte ihren Bachelor-Abschluss in Fotografie und Medienkunst am California Institut of Arts. Ihre Geschichte ging 2020 durch die Medien, weil ihr Vater sich selbst bei Twitter als „stolzesten Vater der Welt“ bezeichnete. Heute studiert Rachel weiter. Ihre eigene Website befindet sich gerade im Aufbau. Rachel ist eine multimodale Künstlerin, die in den Berei-chen großformatige Film- und Digitalfotografie, Siebdruck und Lithografie sowie Keramik arbeitet. Sie ist eine scharfe Beobachterin der Welt und ihrer Menschen, deren einzigartige Perspektive Dimensionen, Schönheiten und Wahrheiten offenbart, die anderen möglicherweise entgehen.
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    Sophie Hauenherm

    Die Dresdener Tänzerin tanzt bereit seit früher Kindheit. Kurz vor ihrem Bachelor-Abschluss an der Palucca-Hochschule für Tanz bekam sie die Diagnose "Inkomplette Querschnittslähmung". Mit viel Ausdauer und Disziplin konnte sie sich einen Teil ihrer Bewegungsfähigkeit wieder herstellen und ihren Bachelor abschließen. Heute tanzt sie in unterschiedlichen Produktionen in Stuttgart, Braunschweig und Radebeul, ist selbst Tanzlehrerin und plant, zukünftig auch verstärkt als Choreografin tätig zu sein.

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    rohullah kazimi

    Der in Kabul/Afghanistan geborene bildende Künstler Rohullah Kazimi arbeitet mit verschiedenen Techniken, neben meist großformatigen, bunten Zeichnungen auch mit Radierungen, Stickarbeiten und Drucktechniken. Inhaltlich setzt er sich primär mit geschichtlichen und gesellschaftlichen Themen auseinander. Im Rahmen des Strukturprogrammes Artplus konnte auch Kazimi zwei Jahre als Gasthörer im Fachbereich Freie Bildende Kunst an der Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg teilnehmen. Er arbeitet seit 2007 bei der Künstlergruppe „Die Schlumper“ in Hamburg, wird seit 2013 von zwei Galerien vertreten und ist an zahlreichen Gruppenausstellungen und Kunstmessen beteiligt.
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    Felix Klieser

    Felix Klieser, geboren 1991 in Göttingen, ist außergewöhnlich begabter und leidenschaftlicher Hornist, der bereits im Alter von 5 Jahren mit dem Hornunterricht begann und als jüngster Hornspieler aller Zeiten an der Musikschule Göttingen angenommen wurde. Mit 13 Jahren nahm der Musiker, der ohne Arme geboren wurde, als Jungstudent an der Hannoveraner Hochschule ein reguläres Musikstudium auf. Er war Hornist im Bundesjugendorchester und ging mit Popstar Sting auf Tournee. Klieser gewann bereits als Jugendlicher zahlreiche Preise, u.a. den Bundes-wettbewerb Jugend musiziert und den Life Award. Neben zahlreichen CD-Produk-tionen erhielt er 2014 den Echo Klassik Preis in der Kategorie „Nachwuchskünstler des Jahres“, den VDKD Musikpreis und schließlich 2016 den renommierten Leonard Bernstein Award. Die 2014 erschienene Autobiografie Kliesers ist ins Chinesische und ins Japanische übersetzt worden.
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    Athina Lange

    Athina Lange, geboren 1991 in Plauen, arbeitet als Freie Schauspielerin in ganz Deutschland. Hörend aufgewachsen, ertaubte sie im Alter von 20 Jahren in Folge zweier aufeinanderfolgender Hörsturze. Nach Erlernen der Deutschen Gebärden-sprache studierte sie an der Schauspielschule Leipzig. Dort schloss sie ihre Ausbil-dung 2015 mit der Bühnenreifeprüfung ab. Zwar lebt Athina Lange jetzt in Berlin, ihre Schauspiel- und Filmaufträge führen sie aber durch die gesamte Bundesrepublik. Ihre Engagements hat sie u.a. auf Kampnagel, dem Staatstheater Hannover, im Filmstudio Babelsberg, am Deutschen Gehörlosen-Theater und an Possible World Berlin. Neben ihrer Arbeit in verschiedenen Theaterproduktionen berät sie hörende Regisseur:innen bei ihren Stücken für gehörloses Publikum.
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    Alison lapper

    Alison Lapper wurde 1965 ohne Arme und mit verkürzten Beinen in England geboren. Sie studierte Kunst. Der Bildhauer Marc Quinn fertigte 2005 eine riesige Statue von ihr an, als sie schwanger war. Diese stand bis 2007 auf dem vierten Pfeiler des Trafalgar Squares. Eine ihrer Inspirationsquellen war die Venus von Milo, eine berühmte Statue, die heute im Louvre steht. In ihrer Autobiografie Ich nehme mein Leben selbst in die Hand steht, wie es sie positiv beeinflusst hat, eine Skulptur zu entdecken, die ebenfalls keine Arme hat und als sehr schön empfunden wird. Lapper hat ihre Stärken in der Malerei und Fotografie. Heute malt sie auch auf dem Tablet und hin und wieder veröffentlicht sie eines ihrer Werke auf Instagram @alison_lapper_mbe
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    Benedikt Lika 

    Benedikt Lika, geboren 1982 in München, ist Dirigent, Kommunalpolitiker und Inklusionsaktivist. Die Begeisterung für Musik wurde ihm bereits in die Wiege gelegt und als Mitglied der Augsburger Domsingknaben und Solopauker im Sinfonie-orchester seines Gymnasiums als Jugendlicher gefestigt. Nach dem Studium der Musikwissenschaft, der Musikpädagogik und der Kunstgeschichte besuchte er Meisterkurse im Dirigieren. Mittlerweile ist Lika engagierter Kommunalpolitiker, sitzt im Stadtrat von Augsburg und arbeitet auch auf Landesebene für Inklusion und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonventionen.
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    Pablo pineda

    Pablo Pineda Ferrer, Jahrgang 1974, spanischer Schauspieler und Autor, machte als erster Europäer mit Trisomie 21 einen Universitätsabschluss. Zunächst im Fach-bereich Sonderpädagogik, später im Fachbereich Psychopädagogik. Für seine schauspielerische Leistung im Film Me too – Wer will schon normal sein? (Yó, también) wurde er beim Filmfestival von San Sebastián 2009 als bester Schauspieler ausgezeichnet. Seitdem hat er im Film gespielt, Sendungen moderiert und Bücher geschrieben. Neben seinen künstlerischen Tätigkeiten hält Pineda weltweit Vorträge über die Integration vermeintlich behinderter Menschen in die Gesellschaft und gründete 1991 das Projekt Roma zur Förderung von Kindern mit Trisomie 21.
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    Ali stroker

    Ali Stroker, Jahrgang 1987, ist eine US-amerikanische Musicaldarstellerin. Sie studierte in New York Musik und Performancekunst und gewann 2019 einen Tony-Award, den höchsten Preis der Branche. Ali Stroker nutzt nach einer Rückenmark-verletzung einen Rollstuhl. Durch die Musicalserie Glee, in der sie eine Gastrolle hatte, wurde sie bekannt. Sie spielte die Rolle der Anna in der 2015er Wiederauf-nahme von Spring Awakening des Deaf West Theatre, für die sie Gebärdensprache lernte. Auch heute übernimmt sie noch (Gast-)Rollen in US-amerikanischen Serien und Filmen und hält Vorträge, beispielsweise auf inklusiven Filmfestivals.
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    Michael turinsky

    Der erfolgreiche Wiener Choreograf, Performer und Theoretiker Michael Turinsky setzt sich in seiner Arbeit eingehend mit dem Phänomen des als vermeintlich „behindert“ markierten Körpers auseinander. 2005 machte Turinsky, der selbst einen Rollstuhl benutzt, seinen Abschluss in Philosophie an der Universität Wien. Mit Ernst und Ironie hinterfragt er in seinen Stücken die Situation des Lebens und des Tanzens mit Behinderung, in einer komplexen Spannung zwischen Politik und Ästhetik. Seine Kollaboration „Ravemachine“ mit Doris Uhlich erhielt 2017 den Nestroy-Spezialpreis. Neben der Aufführung seiner Stücke hält Turinsky Vorträge und publiziert Beiträge in unterschiedlichen Fachzeitschriften und Journalen.
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    matti wustmann

    Der bildende Künstler Matti Wustmann ist Mitglied des Kreativkollektivs barner16 (alsterarbeit gGmbH) in Hamburg. Dort ist er u.a. als Grafiker in der Siebdruckwerk-statt „sieben“ tätig. Verschiedene künstlerische Techniken des Zeichnens und Druckens hatte er sich zunächst selbst beigebracht, bis er im Rahmen des EUCREA-Programms Artplus Hamburg über fünf Semester Gasthörer im Fachbereich Freie Bildende Kunst an der Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg  wurde. Dort nahm er wie regulär immatrikulierte Studierende an prüfungsrelevanten Angeboten teil. Die Kunsthochschule erkannte Wustmanns Talent und bot ihm an, ohne neuer-liche Aufnahmeprüfung regulär studieren zu können. Der Künstler entschied sich jedoch dafür, seine Tätigkeit als Grafiker und Zeichner bei alsterarbeit fortzusetzen. Ein offizielles Studium ist mit seinem Status einer WfbM-Beschäftigung nicht verein-bar.
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    Luisa Wöllisch 

    Luisa Wöllisch, Jahrgang 1996, begann 2014 ihre Schauspielausbildung an der Freien Bühne München, dem ersten inklusiven Theater Bayerns, die sie 2018 als erste Absolventin abschloss. Kurz darauf spielte sie ihre erste große Kinofilmrolle in „Die Goldfische“ neben Tom Schilling, Jella Haase und Birgit Minichmayer, der Platz 3 der deutschen Kinocharts erreichte. Seitdem ist Wöllisch eine gefragte Schauspie-lerin, gibt Fernsehinterviews, spielte in unterschiedlichen Fernsehproduktionen mit, aktuell in der ARD-Produktion „Toni, männlich, Hebamme“, und ist seit der Spielzeit 2020 festes Ensemblemitglied an den Münchner Kammerspielen. 2021 erhielt sie schließlich den Kulturpreis Bayern in der Kategorie Kunst.
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    Jana Zöll

    Die Schauspielerin, Performerin und Tänzerin Jana Zöll, Jahrgang 1985, spielt seit ihrer Grundschulzeit Theater und nahm aktiv am Kinderzirkus teil. 2008 absolvierte sie ihre Schauspielausbildung an der Akademie für darstellende Kunst adk-Ulm, ein staatlich anerkanntes Berufskolleg. Als Napoleon in Sebastian Hartmanns Krieg und Frieden machte sie Furore und wurde dann Ensemblemitglied am Staatstheater Darmstadt. Mittlerweile arbeitet Zöll als freischaffende Künstlerin, hat am Tanzlabor Leipzig das Kollektiv Polymora Inc. mitbegründet und leitet am Theater der Jungen Welt den inklusiven Kids Club. Seit 2018 ist sie zunehmend im Bereich Performance und Tanz aktiv und nimmt seit 2019 am Weiterbildungsprogramm M.A.D.E. derTanzcompany DIN a13 teil. Kürzlich hinterfragte Zöll als erste Perfor-merin der Reihe Challenge Accepted am Theater der der Jungen Welt in Leipzig in Online-Performances gesellschaftliches Schubladendenken.
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