Fotos Katherine Winkler

Theater der jungen Welt  + Diakonie Leipzig – Lindenwerkstätten

Das Theater der jungen Welt (TdjW), das älteste und eines der renommiertesten professionellen Kinder- und Jugendtheater Deutschlands, entwickelt gemeinsam mit der in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Diakonie Leipzig ein Hospitationsprogramm für bis zu drei Menschen mit Behinderung. Jede dieser Personen kann während der zweiwöchigen Hospitation im September 2019 einen Bereich des Theaterhauses wie Besucherservice, Technik, Haustechnik, Verwaltung, Ausstattung sowie die im Zeitraum der Hospitation stattfindende Produktion „Pssst!“ kennenlernen und unterschiedliche Tätigkeiten ausprobieren. In der Kennenlernphase des Projektes finden Hausführungen sowohl in den Lindenwerkstätten der Diakonie als auch im Theater für Interessierte beider Einrichtungen statt. Zur konkreteren Vorbereitung wird es darüber hinaus einen Infoworkshop für die Projektbeteiligten geben, der durch einen Experten der inklusiven Arbeit in Kultureinrichtungen unterstützt wird. Flankiert werden die Hospitationen mit einem Kulturprogramm, wie z.B. Besuche von Theatervorstellungen sowie die Teilnahme an theaterpädagogischen Angeboten. Reflexionsgespräche mit allen Beteiligten begleiten den gesamten Prozess. Die im Hospitationsprogramm gemachten Erfahrungen sollen zu weiteren Schritten führen, wie z.B. eine Teilnahme der Menschen mit Behinderung am inklusiven Theaterclub Melo oder deren Beteiligung an weiteren künstlerischen Formaten und Projekten am Theater.

Ziel der Kooperationspartner ist, die vorhandenen Strukturen nachhaltig zu verändern. Aus der Zusammenarbeit könnten sich bspw. Außenarbeitsplätze für die Teilnehmer mit Behinderung im Theater entwickeln oder durch sie eine neue Position innerhalb der  Theaterproduktionen dauerhaft eingebracht werden.

Nach der Hospitation ist vor dem Außenarbeitsplatz!

Im Rahmen des Modellprojekts „CONNECT – Kunst im Prozess“ zur inklusiven Öffnung von Kultureinrichtungen haben drei Interessierte aus den Lindenwerkstätten ihren Arbeitsalltag getauscht und die Bretter, die die Welt bedeuten, im Theater der Jungen Welt kennengelernt.

Dabei waren sie in unterschiedlichen Abteilungen tätig und konnten so Orte im Theater entdecken, die die Besucher*innen sonst nicht kennenlernen. Alle drei haben sich gut aufgenommen und wohl gefühlt. Durch das Ausprobieren während der Hospitationen haben sie nicht nur Erfahrungen gesammelt, sondern auch neue Zukunftsperspektiven entwickeln können.

Olaf Schmidt hospitierte im Bereich Besucherservice. Er hat sich schnell eingearbeitet und mit Kolleg*innen um die Koordination der Platzverteilung und um die verschiedenen Besucher*innengruppen gekümmert. Ihn interessierte dabei ganz konkret: „Wie gestalte ich eine Ansage?“ und „Was passiert hinter den Kulissen?“ Mit Witz und Charme hatte er schnell das Publikum und auch die Servicemitarbeitenden vom Theater für sich eingenommen. Besonders die Programmansagen haben ihm viel Freude bereitet. Der Applaus des Publikums nach den Ansagen war dabei ein Highlight: „Das fand ich sehr rührend“. Nach einem weiteren Praktikum hat Olaf Schmidt seinen Willen bekräftig, einen Außenarbeitsplatz am Theater antreten zu wollen. Ab März 2020 ist dies nun möglich und konnte bereits vertraglich geregelt werden!

Fritz Wegner hat in verschiedenen Abteilungen mitgearbeitet, hauptsächlich aber bei der Produktion „Pssst“ zum Thema Geheimnis. Der Blick hinter die Kulissen hat ihm besonders gefallen. Zur Frage, ob er sich vorstellen könne, wieder im Theater zu arbeiten, sagt er: „Ganz ehrlich…nein. Es war sehr interessant, aber für mich nichts auf Dauer. Da bin ich lieber hier in meinem Café.“ Auch das ist eine wichtige Erfahrung.

In die Abteilung Bühnenbild/Requisite hat Mirjam Hoyer reingeschnuppert: Sie fühlte sich im Theater sichtlich wohl, hat sehr zuverlässig, selbständig und motiviert mitgearbeitet und sich dabei ihren Raum erobert. Am besten gefallen hat ihr das Bauen der Requisiten. Mirjam Hoyer hat sehr große Lust, weiter im Theater zu arbeiten. Im Bereich Ausstattung unterstützt sie seit Abschluss des Hospitationsprogramms ebenfalls das Team des TdJW für projektbezogene Arbeiten. Auch diese Zusammenarbeit soll noch intensiviert werden!


Für den 23.4.2020 war ein Fachtag im Theater der jungen Welt geplant, auch er fiel den Schließungen im Zuge der Corona-Krise zum Opfer. Dort sollten die gesammelten Erfahrungen der Projektbeteiligten des Strukturprogramms aus den anderen teilnehmenden Bundesländern gesammelt und ausgewertet werden und mit einem frischen Input neue Aspekte dskutiert werde. Dieser Fachtag wird mit Sicherheit später nachgeholt.